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Krieger- und Soldatenkameradschaft Kottingwörth

 
 

Im Jahr 1973 schrieb Hauptlehrer Andreas Ach, der Verfasser des ersten Teils der Kottingwörther Dorfchronik, Folgendes nieder: „Ein Kriegerverein, wie man landläufig sagt, wurde schon 1923 oder anfangs 1924 gegründet, denn am 24. August 1924 wurde das erste Kriegerdenkmal eingeweiht. Die Vorstände zwischen den zwei Weltkriegen waren: Hundsdorfer (Johann), Rieger Josef, Beckenbauer Josef bis zum Zusammenbruch nach dem 2. Weltkrieg im Jahr 1947. Vereinslokal war, wie auch jetzt wieder, die Gastwirtschaft Stiegler, der obere Wirt.“ Die Weihe wurde vom damaligen Pfarrer Michael Bernhard vollzogen.


Schriftliche Nachweise über die erste Vereinsgründung sind nicht mehr aufzufinden, da alle bis dahin gesammelten Unterlagen nach Aussagen mehrerer Kottingwörther am Ende des II. Weltkrieges aus Angst vor den heranrückenden Amerikanern vernichtet wurden. Die Fahne wurde im Pfarrhaus versteckt.


Auf der Ehrentafel für die Teilnehmer und Gefallenen des I. Weltkrieges aus dem Jahr 1928, die früher im Vereinslokal Paulus bzw. ab 1951 Stiegler hing und heute im Vereinsraum im Gemeinschaftshaus aufbewahrt wird, finden sich leider keine Angaben über die Gründung des Vereins.



In späteren Zeitungsartikeln über den Verein, zum Beispiel anlässlich von Fahnenweihen, wird meist das Jahr 1924 als Gründungsjahr genannt, vereinzelt jedoch auch 1923. Allerdings wurde 1964 „im kleinen Rahmen“ das 40-jährige Gründungsfest gefeiert und am 11. August 1974 das fünfzigjährige Jubiläum, sodass man letztlich doch 1924 als Gründungsjahr ansehen muss. Bis 1947 bekleideten nach Johann Hundsdorfer Josef Rieger und Josef Beckenbauer das Amt des 1. Vorsitzenden.

 

In den 30er Jahren wurden die Aktivitäten weitgehend eingestellt, da die Nationalsozialisten gegen die üblichen Vereine eingestellt waren. Die Menschen sollten bzw. mussten sich im Rahmen der Gleichschaltung oder der sogenannten Volksgemeinschaft ihren Organisationen anschließen.

Dagegen finden sich für die Zeit nach dem II. Weltkrieg alle nötigen Daten über die Neugründung im Jahr 1952 sowie über die Zusammensetzung der jeweiligen Vorstandschaft und die Namen der Mitglieder. Auch die Sitzungsprotokolle sind erhalten, sodass die Entwicklung des Vereins lückenlos nachvollzogen werden kann, nicht zuletzt auch wegen der zahlreichen Zeitungsartikel von Willibald Betz sen. über die Vereinsaktivitäten.

Der Einschnitt durch die Zeit des Nationalsozialismus wurde als so gravierend empfunden, dass der Verein am 5. Oktober 1952 neu gegründet wurde. Bei der „Gründungsversammlung der Kameradschaft zur Pflege des Gefallenen- und Vermisstendenkmals“ wurde Michael Deyerler zum 1. Vorstand gewählt. Er wird auch allgemein als die Triebfeder zur Neugründung angesehen und führte den Verein ohne Unterbrechung während der nächsten 30 Jahre. Vereinslokal wurde wieder das Gasthaus Stiegler. Nach dessen Schließung am 1. Januar 1998 zog der Verein ins Gasthaus Forster um. Die Fahnen und verschiedenen Ehren- und Erinnerungstafeln wurden im alten Kottingwörther Schulhaus untergebracht, nachdem dieses 1999 renoviert und zum Gemeinschaftshaus umfunktioniert worden war.


Als dringlichste Aufgabe wurde die Errichtung einer Gedenktafel für die 24 Gefallenen und 10 Vermissten aus Kottingwörth, Leising und Grögling beschlossen. Deren Einweihung fand am Pfingstmontag 1953 durch Pfarrer Andreas Mayer statt. Dabei dankte Bürgermeister Johann Meyer der Bevölkerung, dass sie durch ihr Opfer die Errichtung des Denkmals ermöglicht hatte. Steinmetzmeister Bacherle aus Berching vereinigte die neue Gedenktafel mit der alten zu einem Denkmal für die Vermissten und Gefallenen beider Weltkriege.


Laut den Aufzeichnungen von Andreas Ach wurden auch die Kameraden aus Vogelthal zur Gründungsversammlung eingeladen, da sie ja am ersten Denkmal und an der ersten Fahne beteiligt waren. Da jedoch niemand erschien, habe man angenommen, dass die Vogelthaler an einer Mitbeteiligung nicht mehr interessiert seien, weswegen der Verein nunmehr „Kriegerkameradschaft Kottingwörth“ heiße.


Im Jahr 1982 stellte sich Michael Deyerler nach 30 Jahren als erster Vorsitzender aus gesundheitlichen Gründen für dieses Amt nicht mehr zur Wiederwahl. Sein Nachfolger wurde Hans Paulus, der den Verein ebenfalls sehr lange bis zum Jahr 2001 leitete und von Rudolf Paulus abgelöst wurde. Michael Deyerler wurde für seine großen Verdienste 1984 zum Ehrenvorsitzenden ernannt.