Beifallsstürme beim 30-jährigen Theaterjubiläum

Der absolute Höhepunkt beim Kottingwörther Dorffest war am Sonntagabend wieder einmal die Aufführung eines lustigen Dreiakters im Treffer Stadel. Mit dem Schwank „Wenn man ein Kindel find`t“  konnte die Theatergruppe auf eine nunmehr 30-jährige Erfolgsserie zurückblicken. Auch Gerhard Paulus, der Vorsitzende des Kottingwörther Kulturvereins, feierte ein kleines Jubiläum: Er stand zum 25. Mal auf der Bühne. Die 135 Zuschauer kamen wieder einmal voll auf ihre Kosten. Am Freitag und Samstag wird das mit Begeisterung aufgenommene Stück jeweils um 20 Uhr wiederholt. 

Wie nicht anders zu erwarten, wussten die routinierten Laienschauspieler erneut in ihren Rollen zu glänzen. Am meisten Beifall bekam Rudi Armbruster mit seiner Interpretation des begriffsstutzigen, mit sichtlich geringen geistigen Fähigkeiten ausgestatteten Nachbarn Jakob der Geisenhofer-Familie. Er kam zwar vergleichsweise seltener zu Wort, aber immer wenn er auch nur den Mund aufmachte, kugelten sich die Zuschauer vor Lachen. Er und seine geistig etwas besser ausgestattete, aber immer noch deutlich beschränkte Ehefrau Helga, die von Elisabeth Wittmann hervorragend gemimt wurde, gaben ein urkomisches Paar ab.

Auf dem Geisenhofer-Anwesen geht es eher gemütlich zu. Mit der flotten Arbeit haben es weder der Knecht Wiggerl, überaus unterhaltsam gespielt von Klaus Rieger, noch Thomas, der Landwirt selbst, den Gerhard Paulus mit all seiner Schauspielerfahrung treffend verkörpert. Bei der alten Oma Resi zeigen sich auch schon enorme körperliche und geistige Verschleißerscheinungen. Absolut glaubwürdig und zur Freude der Zuschauer urkomisch agiert hier wieder einmal Marianne Mayer. Nur dumm, dass Thomas mit der tüchtigen, anständigen Magd Anna Schluss gemacht hat, die an allen Ecken und Enden fehlt. Schließlich lässt sie sich doch dazu überreden, wenigstens während der Erntezeit wieder ihren Dienst aufzunehmen. Jessica Regler überzeugt hier wieder einmal, genauso wie Günter Eibner, der als stotternder, etwas trotteliger Gemeindediener Pankraz in einer Paraderolle glänzt.

Richtig turbulent wird es, als plötzlich das Findelkind auftaucht. Zunächst will keiner etwas mit dem „Bankert“ zu tun haben. Brunhilde, eine Nachbarin, der im Dorf aber auch gar nichts entgeht, höhnt über das sensationelle Kuckucksei und holt gleich ihren neugierigen Ehemann Gisbert herbei. Marina Rupp und Erwin Eibner stellen die beiden nur auf den eigenen Vorteil bedachten Charaktere sehr gekonnt dar. Sowohl bei ihnen als auch bei den anderen wendet sich die Einstellung zum Kind diametral, als Pankraz von einer 50 000 Euro-Prämie für Neugeborene faselt. Sofort beginnt ein turbulenter Wettbewerb mit vielen Überraschungen um die Adoption der kleinen Barbara. Wer schließlich „den Sieg“ davonträgt, soll hier nicht verraten werden, um den Besuchern der kommenden Freitags- und Samstagsvorstellungen den Spaß nicht zu verderben. Regisseur Helmut Hauber sprach auch der Maskenbildnerin Marion Hüller ein dickes Lob aus, die wegen der vielen Verwandlungen der Figuren so viel Arbeit wie noch nie hatte, die sie hervorragend meisterte.         


[zurück zur Übersicht]


verfasst von Josef Wittmann; veröffentlicht am 11.07.2011 von Josef Wittmann