Kottingwörther Dorffest mit 30-jähriger Theatertradition |
Schon in den 50er Jahren Theateraufführungen im Wirtshaus Das frühere Kottingwörther Pfarrfest und jetzige Dorffest, zu dem die Pfarr- und Dorfgemeinschaft vom 8. bis10. Juli sowie am 15./16. Juli wieder einlädt, war und ist ohne die abendfüllenden Theateraufführungen nicht vorstellbar. Gerade sie machen die mehrtägige Veranstaltung zu etwas ganz Besonderem und sind ein wahrer Publikumsmagnet. In diesem Jahr kann die sehr rührige, erfolgreiche Kottingwörther Theatergruppe ihr 30-jähriges Jubiläum feiern – ein Grund, auf die Anfänge zurückzublicken. Aus der Theaterchronik Ohne den damaligen Pfarrer Ferdinand Albrecht gäbe es die Theatergruppe vielleicht gar nicht. Im Vorwort der bilderreichen Theaterchronik wird die etwas schwere Geburt kurz geschildert. Gerhard Paulus, der Vorsitzende des Kottingwörther Kulturvereins und Bühnenakteur der ersten Stunde, verwahrt und führt die Chronik mit viel Liebe zum Detail. Zu Beginn wird darauf verwiesen, dass in Kottingwörth seit 30 Jahren kein Theater mehr aufgeführt worden sei. In den 50er Jahren gab es nämlich im oberen Saal der Gastwirtschaft Forster bereits diverse Vorstellungen unter der Leitung von Dorflehrer Andreas Ach, von denen auch etliche Fotos existieren. Schon damals war es die Dorfjugend, die sich auf die Bühne wagte. Pfarrer Albrechts zupackende Art Zu Beginn der 80er Jahre wollten laut Chronik einige Jugendliche wieder eine Gruppe auf die Beine stellen. Namentlich vermerkt sind Ottilie und Willi Fanderl, Marianne Stark, Franz Götz und Klaus Mayer. Willi Fanderl wandte sich an Pfarrer Ferdinand Albrecht, um sich nach Theaterstücken zu erkundigen. Schließlich bestellte er die Rollenhefte zum Stück „Das Heiratsgenie“. Aber nach einigen Proben verließ die Jugendlichen wieder der Mut. Jetzt ergriff Pfarrer Ferdinand Albrecht mit seiner bekannt zupackenden Art die Initiative: Er fackelte nicht lange und ließ kurzerhand den Aufführungstermin im Pfarrblatt veröffentlichen. So unter Druck gesetzt, wollte sich die Pfarrjugend nicht lumpen lassen und entschloss sich mit einer inzwischen gewachsenen Gruppe zu einem zweiten Start. Der Treffer Stadel wird zum Bauerntheater Aber wo sollten die Aufführungen stattfinden? Nachdem sich 1980 bei der 900-Jahr-Feier des Dorfes der ausgeräumte und gesäuberte alte Treffer Stadel in der Dorfmitte als Gebäude für Großveranstaltungen bewährt hatte, wandte man sich zusammen mit Pfarrer Albrecht an die Besitzer, die Familie Weigl, die das Gebäude ohne Umschweife zur Verfügung stellte und auch den Einbau einer großen Bühne erlaubte. „Nun ging`s aufwärts“, ist in der Chronik vermerkt- und so war es auch. Die Stadt Beilngries stellte das Material zur Verfügung. Die Laienschauspieler Willi Langecker (aus Vogelthal), Erwin Eibner, Gerhard Paulus, Thomas Winkelbauer, Elisabeth Wittl, Ottilie Fanderl und Marianne Stark bauten die Bühne im bäuerlichen Stil auf. Als weiterer Glücksfall stellte sich Alfred Winkelbauer für die Theatergruppe heraus. Mit ihm war ein Regisseur gefunden, der seine Begeisterung und Leidenschaft für das Bauerntheater auf seine jungen Akteure zu übertragen vermochte und sie zu Höchstleistungen anspornte. Beim dreitägigen Pfarrfest im Juli 1981 war es dann so weit: „Das Heiratsgenie“ wurde mit großem Erfolg zwei Mal im Treffer Stadl aufgeführt. Bisher insgesamt 39 Laienschauspieler im Einsatz 1982 ging es mit den „Ferien auf dem Bauernhof“ weiter. Dann kamen die ebenfalls abendfüllenden Dreiakter „Der Lätschi und seine zwoa Spezi“ (1983) „Der keusche Josef“ (1984), „Die Ritter san los“ (1985) und „Opa will heiraten“ (1986) zur Aufführung. Bis heute steht die Gaudi, die zünftige Unterhaltung des Publikums mit deftiger Wort- und Situationskomik bei den „ländlichen Possen“ und „humorgeladenen Lustspielen“ im Mittelpunkt. Bis 2010 standen laut Chronik 39 Laienschauspielerinnen und -spieler aus Kottingwörth und Umgebung auf der Bühne, am häufigsten Gerhard Paulus (24-mal), Günter Eibner (23-mal), Marianne Mayer (Mädchenname Stark, 22-mal) und Klaus Rieger (18-mal). Die Rekordhalter gehören alle nach wie vor zum festen Stamm der Kottingwörther Theatergruppe. 12 Souffleusen haben sie unterstützt. Von den meisten Stücken existieren auch Filmaufnahmen. Zelt als zwischenzeitliche Notlösung Obwohl bei Regenschauern schon mal ein paar Tropfen vom nicht mehr ganz dichten Legschieferdach im Maßkrug landeten, erwies sich der alte Treffer Stadel als ideale Aufführungsstätte für ein Bauerntheater. Aber nach dem Einsturz eines der Torbögen im Februar 1999 war guter Rat teuer. Für das Dorffest musste jetzt auf dem zur Verfügung gestellten benachbarten Regnath-Grundstück jeweils ein nicht ganz billiges Zelt aufgebaut werden. Die notdürftige kleine Bühne war für größere Vorstellungen ungeeignet. Mit Wehmut blickte man auf die Zeiten im nahen Stadel zurück. Renovierung des Jurastadels Und so ist es nicht verwunderlich, dass gerade auch die Theatergruppe mit Alfred Winkelbauer zu den treibenden Kräften im Dorf gehörte, die eine Renovierung des erhaltenswerten Juragebäudes anstrebten. Nachdem der 1998 gegründete „Verein für Tradition und Kultur in Kottingwörth“ mit der Ortssprecherin Brigitte Frauenknecht an der Spitze den Stadel nach einem langen Diskussionsprozess gekauft hatte, wurde dessen Runderneuerung in die Wege geleitet und mit erheblichen Eigenleistungen vollendet. Im Juli 2006 wurde er eingeweiht. Beim Dorffest wenige Wochen später diente er wieder als perfekter Rahmen für eine Theateraufführung – aber leider ohne Alfred Winkelbauer. Es ist besonders tragisch, dass er die Erfüllung seines Herzenswunsches nicht mehr erleben durfte. Dorffest 2011: „Wenn man ein Kindel find’t“ Auch dieses Jahr dient der typische Jura-Stadel mit der inzwischen professionell eingerichteten und beleuchteten Bühne wieder als idealer Rahmen für das Dorffest mit insgesamt drei Theateraufführungen. Am 8. Juli startet der Veranstaltungsreigen um 20 Uhr wie gewohnt mit dem traditionellen Wattturnier im Stadel. Auf den „Bunten Abend“ am Samstag folgt dann der ganztägige Festbetrieb am Sonntag mit Festgottesdienst in der Kirche, Mittagessen im Stadel, Kasperltheater, sonstiger Kinderbelustigung und Biergartenbetrieb am Nachmittag. Und am Abend ist es dann wieder einmal so weit: Seit März proben die vom Theatervirus infizierten Kottingwörther Laienschauspieler für eine erneute Vorstellung. Beim 30-jährigen Jubiläum ist der Ehrgeiz natürlich besonders groß. Zur Aufführung kommt das Stück „Wenn man ein Kindel find’t“, ein Lustspiel in drei Akten. Am darauf folgenden Wochenende finden dann am Freitag und Samstag jeweils um 20 Uhr zwei weitere Vorstellungen statt. Die Zeichen der Zeit Nicht wenige Akteure der ersten Stunde sind – wie bereits gesagt - immer noch dabei. Hatten sie als Jugendliche damals Probleme, glaubwürdig eine Oma oder einen Opa zu mimen, so bereitet dies ihnen und auch der Maskenbildnerin Marion Hüller inzwischen weit weniger Mühe. Für den jugendlichen Liebhaber oder das junge fesche Madl stehen begabte Nachwuchskräfte bereit. So ist eben der Lauf der Zeit. |
| |