Aus der neuen Welt in die alte Heimat

Neugier und Abenteuerlust haben Robert Seiss aus Kottingwörth im Februar 1983 dazu bewogen, in die USA auszuwandern. Anlässlich des 75. Geburtstags seiner Mutter Hildegard Weber besuchte der inzwischen 51-Jährige vom 12. bis 22. Mai zusammen mit seiner Frau Stefanie nach drei Jahren wieder einmal seine alte Heimat. In den 80er und 90er Jahren fanden solche Besuche fast jährlich statt. Hildegard Weber, deren erster Ehemann Josef Seiss 1961 verstarb und die 1963 Georg Weber heiratete, hat ihn damals schweren Herzens ziehen lassen müssen. Bei seiner Mutter ruft er mindestens einmal im Monat an. Die Jubilarin war ihrerseits bereits sechsmal in den Staaten und kennt das Lebensumfeld ihres Ältesten sehr gut.

Eine entscheidende Rolle, den Neuanfang auf einem anderen Kontinent zu wagen, hat selbstverständlich auch seine spätere Frau Stefanie Mayer gespielt, die er auf einem Faschingsball in Kottingwörth kennen gelernt hatte. Sie ist die Tochter von Viktor Mayer aus Kottingwörth, der das Dorf 1951 verlassen hat und noch per Schiffspassage eine neue Heimat in New York (Manhattan) fand. Dort heiratete er eine Amerikanerin, deren Eltern wiederum aus Darmstadt stammen.

Im sonnigen Florida

Bereut hat Robert Seiss den Neuanfang jenseits des großen Teiches noch keinen einzigen Tag. Das subtropische Klima Floridas hat er inzwischen sehr zu schätzen gelernt: „In einer Stunde bin ich am Strand. Richtig kalt wird es bei uns auch im Winter nicht.“ Auf keinen Fall möchte er sein Heimatdorf ohne Not in der kalten Jahreszeit besuchen. Besonders abschreckend fand er die Schneemassen im letzten Winter, die er auf der Kottingwörther Homepage betrachten konnte und mit Schaudern sogar seinen Arbeitskollegen und Freunden zeigte. Er ist einer der treuesten Besucher dieser Website: „So weiß ich immer, was bei euch gespielt wird. Das ist wirklich toll!“ Mit Begeisterung erwähnt er dabei auch die Webcam am Dietfurter Rathaus: „Über diese Homepage weiß ich sogar über das aktuelle Wetter in meiner alten Heimat Bescheid.“

Berufliche Wendepunkte

Der berufliche Neuanfang bereitete keine großen Schwierigkeiten: „Mir kam vor allem die gute Ausbildung als Automechaniker in Deutschland zugute. Die Amerikaner schätzen diese sehr. Ich konnte zwar kaum Englisch bzw. Amerikanisch, aber die Arbeitskollegen in der Honda-Werkstatt und auch die übrigen Leute waren äußerst hilfreich und freundlich, sodass die Sprachbarriere bald überwunden war.“ Seine in New York geborene und aufgewachsene Frau Stefanie war dabei natürlich eine große Hilfe.

Niedergelassen hat sich das Ehepaar am Rand der Millionenstadt Orlando im sonnenverwöhnten Florida. Nach einem Herzinfarkt Viktor Mayers siedelten die beiden von 1989 bis 1996 nach New York um, wo Robert Seiss vom Schwiegervater den Beruf eines Tischlers erlernte. Nachdem Viktor Mayer im August 1996 ausgerechnet während eines Aufenthalts in seiner Heimat bei einem tragischen Verkehrsunfall am Ortsrand von Kottingwörth an der damals noch unübersichtlichen Einmündung der Dietfurter Straße in die Staatstraße nach Beilngries bzw. Dietfurt ums Leben gekommen war, kehrten sie wieder nach Orlando zurück.

Allerdings arbeitet Robert Seiss jetzt nicht mehr als Automechaniker, sondern ist auf einem Golfplatz angestellt und für die Rasenpflege, nicht zuletzt aber auch für die Wartung des Maschinenparks zuständig. Seine Frau arbeitet in einem Rechtsanwaltsbüro. Nach der derzeitigen misslichen Wirtschaftslage in den USA gefragt, meint er, dass einzelne Bundesstaaten eine sehr hohe Arbeitslosigkeit aufweisen und besonders die Nahrungsmittelpreise bei in den letzten Jahren gleichbleibenden Löhnen gestiegen seien. Nicht zuletzt schimpfen die Amerikaner über die gestiegenen Treibstoffpreise: „Aber hier in Deutschland kostet der Sprit das Doppelte; ich hab´s genau nachgerechnet“, ergänzt er schmunzelnd.

Bewunderung für die alte Heimat

Zurück möchte er nicht mehr, da ist er sich mit seiner Frau völlig einig: „In den Staaten musst du auch schwer arbeiten, aber man hat ein schönes, freieres Leben. In Deutschland ist alles so reguliert.“ Von der Entwicklung seines Heimatdorfes und auch der Stadt Beilngries in den vergangenen 28 Jahren zeigt sich Robert Seiss schwer beeindruckt: „Was ihr mit dem alten Schulhaus und dem Treffer Stadel geschaffen hat, das ist schon bewundernswert.“ „Und Beilngries hat sich herausgeputzt und ist mit seinen Supermärkten eine richtige kleine Stadt geworden. Dort kann man jetzt ja einkaufen wie in Amerika, sogar abends. Wenn ich da an früher denke!“, ergänzt Stefanie ganz begeistert.

 

Foto:
Robert und Stefanie Seiss im Hintergrund bei ihrem Besuch in Kottingwörth; davor die Jubilarin Hildegard Weber mit Christoph und Selina, zwei Kindern ihres jüngeren Sohnes Matthias


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verfasst von Josef Wittmann; veröffentlicht am 25.05.2011 von Josef Wittmann