Außenrenovierung des Gemeinschaftshauses hat begonnen
Blick in die Chronik: Vom Schulhaus zum vielseitig genutzten Gemeinschaftshaus / Interview mit Brigitte Frauenknecht

Freiwillige  Helferinnen und Helfer gesucht!

Das alte Kottingwörther Schulhaus wurde von 1997 bis 1999 vom Verein für Tradition und Kultur in Kottingwörth (VfTK) gründlich  renoviert und zum Gemeinschaftshaus für alle Dorfbewohner umfunktioniert. Bürgermeisterin Brigitte Frauenknecht, von 1998 bis April 2010 Vorsitzende des VfTK, und ihr Nachfolger Gerhard Paulus haben nun zusammen mit der Vorstandschaft beschlossen, dem Gebäude Mitte September einen neuen Anstrich zu verpassen, auf den man damals weitgehend verzichtet hatte. Sie hoffen dabei wieder auf die tatkräftige Mithilfe zahlreicher freiwilliger Helferinnen und Helfer, wie dies in den letzten drei Jahrzehnten schon zweimal geschehen ist. Das zeigt ein Blick in die Vergangenheit des alten Schulhauses.

Schule und Schulhaus in früheren Zeiten

Neben den Dorfkindern besuchten früher auch die aus Grögling, Leising und Vogelthal die Kottingwörther Schule, weil diese kleineren Ortschaften damals wie heute zur Pfarrei gehörten bzw. gehören. Den weitesten Weg in die Schule hatten die Vogelthaler zurückzulegen - natürlich zu Fuß. An den Einsatz eines Schulbusses war damals nicht einmal zu denken. Vor allem in schneereichen Wintern konnte der Schulweg besonders für die Jüngeren zur Tortur werden. Franz Neger aus Vogelthal erinnert sich bei einem Treffen von Senioren in ihrem ehemaligen Schulhaus ganz genau, wie sein Vater in aller Frühe einen Holzstock an zwei Pferde angehängt hat und so in den etwa einen halben Meter hohen Schnee für die Schulkinder eine begehbare Bahn bis zum Wald räumte. Dazu seien die Eltern verpflichtet gewesen. Nur ganz selten sei die Schule wegen zu viel Schnee ausgefallen.
Die Vogelthaler brauchten ca. eine Stunde bis zur Schule, mussten also spätestens um 7:00 Uhr aufbrechen, denn um 8:00 Uhr begann der Unterricht.  Da war es im Winter noch dunkel. Kurz unterhalb der Kottingwörthermühle kamen sie auf einem Wirtschaftsweg den Berg herunter, wo sie auf den Schulweg der Gröglinger trafen. Die Leisinger benutzten die wenig befahrene Hauptstraße, im Winter gelegentlich auch die zugefrorene Altmühl mit Schlittschuhen, wie sich die Senioren erinnern.

In der Dorfchronik ist im Kapitel „Schule“ - verfasst vom letzten Lehrer Andreas Ach - unter anderem zu lesen: „Der Bauplan zum heute noch stehenden Schulhaus wurde am 7. März 1896 vom damals Königlichen Bezirksamt Beilngries genehmigt. Bezirksbautechniker Tuffentsamer  unterzeichnete den Plan nach einem Entwurf der Regierung in Regensburg.“ Im Erdgeschoss war eine Lehrerwohnung untergebracht, im Obergeschoss wurden die Klassen 1 bis 4 und 5 bis 8 jeweils zusammen in zwei Klassenräumen unterrichtet.

Aber schon in früherer Zeit hatten die Kottingwörther für die Bildung ihrer Kinder etwas übrig. So gab laut Chronik bereits  Jahr 1688 eine Dorfschule. Das alte Schul- und Mesnerhaus grenzte wie das jetzige an den Friedhof, war aber mit dem Nordgiebel an den Wehrturm angebaut, stand also mit der Giebelseite zur Straße. Der Chronist Andreas Ach führt weiter aus: „Sonderbar mutet es heute an, dass mit dem Schulhaus auch eine Scheune und ein Schweinestall verbunden waren und im Friedhof sogar ein zur Schule gehörender Backofen stand, der 1874 beseitigt wurde. Zur Schule gehörten, wie fast bei allen Landschulen, einige Grundstücke, die der Lehrer bewirtschaftete und die ein Teil seiner Besoldung waren.“
Erste Renovierungsmaßnahmen im Innern Anfang der 80er

Als 1969 die Kottingwörther Schule  aufgelöst wurde, stand das 1896 errichtete  Gebäude leer.  Das Obergeschoss wurde nun als Gemeindekanzlei genutzt. Nach der Eingliederung der Gemeinde Kottingwörth nach Beilngries im Jahr 1978 war auch die Kanzlei überflüssig geworden. Um das Gebäude nicht verkommen zu lassen, wurde die Lehrerwohnung im Untergeschoss vermietet, die einstigen beiden Klassenräume im Obergeschoss stellte man der Katholischen Landjugend zur Verfügung. Auf Initiative des damaligen Pfarrers Ferdinand Albrecht und des Jugendleiters Klaus Rieger wurden die oberen Räume mit einem Aufwand von 800 freiwilligen Arbeitsstunden renoviert und am 17. April 1983 eingeweiht.

Generalsanierung durch neu gegründeten VfTK („Kulturverein“) 1997 bis 1999

Am 2. Mai 1998 wurde auf Betreiben der damaligen Ortssprecherin und Stadträtin Brigitte Frauenknecht der VfTK nicht zuletzt deshalb als Dachverein gegründet, um eine gründliche Generalsanierung mit neuem Dachstuhl in Angriff  nehmen zu können, die dann nach etwa zweijähriger Arbeit mit über 5000 freiwillig geleisteten Arbeitsstunden vollendet wurde. Seitdem dient das am 3./4. Juli 1999 eingeweihte Gebäude als vielseitig genutztes Gemeinschaftshaus.

Vielseitige Nutzung

Im Untergeschoss stehen den Vereinen vier Räume zur Verfügung. Hier sind zum Beispiel die beiden Fahnen des Kriegervereins untergebracht. Im Obergeschoss dienen die zwei ehemaligen Klassenzimmer für Sitzungen verschiedener Gremien, für Gymnastikübungen, für Kinderturnen, für den Kinderfasching, für Vorträge, für Bastelstunden  und viele andere Veranstaltungen. Vor allem die Kindergruppe des Obst- und Gartenbauvereins nutzt den kleineren Raum, der mit einem Kachelofen und mit einer Küche ausgestattet ist, fleißig für die Anfertigung von Bastelarbeiten. Besonders dankbar sind die Senioren, dass sie hier zur Wirbelsäulengymnastik, die vom FSV angeboten wird, gehen können, ohne weite Wege, zum Beispiel nach Beilngries, zurücklegen zu müssen. Außerdem kann sich hier die Dorfjugend treffen. Bei der Renovierung  wurde auch eine Zentralheizung eingebaut und im Obergeschoss wurden die Toiletten erneuert. Immer schon wird das Gebäude als Wahllokal genutzt.

So herrscht im ehemaligen Schulhaus wieder ein reges Treiben, wodurch auch die Dorfgemeinschaft gefördert wird. Und zusammen mit Pfarrkirche und Pfarrhaus prägt es nach wie vor das Ortsbild entscheidend mit, nicht zuletzt wenn es bald frisch getüncht in neuem Glanz erstrahlt.  

 

Foto:
1. Foto des das Ortsbild prägenden Ensembles aus Schulhaus, Kirche und Pfarrhaus vom Ende der 50er Jahre
2. Brigitte Frauenknecht und Gerhard Paulus beim Begutachten der Außenfassade des heutigen Gemeinschaftshauses
3. Treffen von Senioren in ihrem ehemaligen Schulhaus; Franz Neger aus Vogelthal zweiter von links
4. Beginn der Arbeiten im September 2010

 

Interview mit Brigitte Frauenknecht, der ehemaligen Vorsitzenden des VfTK und jetzigen Bürgermeisterin von Beilngries (am 22.08.10)

  1. Was hat Sie vor 12 Jahren als Ortssprecherin von Kottingwörth dazu bewogen, die Gründung des Kulturvereins (VfTK) voranzutreiben?

Der Wunsch, das Schulhaus zu renovieren, kam von den Vereinen. Nach Vorgesprächen und ersten Zuschussverhandlungen stellte sich heraus, dass eine rechtliche Struktur zur Vertretung der Dorfgemeinschaft erforderlich war, um Anträge stellen und Verträge abschließen zu können. Viele andere Dörfer in unserer Umgebung sind inzwischen diesem Beispiel gefolgt, z. B. Wiesenhofen oder Grampersdorf.

  1. Was waren die größten Probleme bei der Realisierung der Renovierung des alten Schulhauses?

Zu Beginn war das größte Problem das Fehlen finanzieller Mittel. Dies änderte sich erst dann, als über Leader II und von der Diözese Mittel zugesagt wurden.

  1. Waren Sie mit dem freiwilligen Engagement der Dorfbewohner zufrieden?

Fast uneingeschränkt, ja. Manche haben sich weit über das normale Maß hinaus engagiert. Das Projekt wurde von der großen Mehrheit der Dorfbewohner unterstützt, weil es ja auch für viele ihr Schulhaus mit vielen Kindheitserinnerungen war und ist.

  1. Welche Zielvorstellungen hatten Sie für die künftige Nutzung des Gebäudes als Gemeinschaftshaus?

Zunächst einmal das Gebäude als solches zu sanieren und für die Dorfgemeinschaft nutzbar zu machen. Dann, dass Räumlichkeiten geschaffen werden, in denen die unterschiedlichsten Aktivitäten von Vereinen und Gruppierungen über alle Altersgruppen hinweg stattfinden können – vom Kommunion- und Firmunterricht über Ministrantenkurse bis hin zu Kinderturnen, Bastelstunden, Gymnastikkursen und Seniorentreffen usw.

  1. Sind Sie mit der Realität der vergangenen 11 Jahre zufrieden?

Grundsätzlich ja, weil die Räumlichkeiten für bereits Bestehendes genutzt werden und auch ganz viel Neues entstanden ist, z. B. die Internetgruppe. Manchmal wäre es wünschenswert, es würden sich noch mehr Leute um die Arbeiten kümmern, die beim Unterhalt eines Gebäudes anfallen, z. B. Reinigungsarbeiten. Die ursprüngliche Devise lautete ja: Diejenigen, die das Gebäude nutzen, sollen sich auch darum kümmern.


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verfasst von Josef Wittmann; veröffentlicht am 3.1.2010 von Josef Wittmann